Zum Abschluss der Wochen gegen Rassismus: Ayşe İrem performt vor vollem Haus im Museumsquartier Osnabrück

Foto: Anna Eschbaum

Zum Abschluss der Internationalen Wochen gegen Rassismus durften wir einen ganz besonderen Gast in der Osnabrücker Villa_ begrüßen: die amtierende deutschsprachige Poetry-Slam-Meisterin Ayşe İrem. Vor vollem Haus begeisterte die gebürtige Osnabrückerin am 27. März mit vier Texten aus ihrem Repertoire und nahm das Publikum mit auf eine emotionale Reise, die zum Nachdenken, zum Lachen, aber auch zum Wütend-Sein anregte.

An deinem Blick erkenne ich: Du denkst, dass dieser Boden, auf dem ich gerade stehe, weit weg von meinem Zuhause ist.

In ihren Spoken-Word-Performances setzt sich Ayşe İrem mit Fragen von Identität, Zugehörigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe auseinander. Sie spricht über Alltagsrassismus, Diskriminierung und rechte Gewalt – ebenso wie über das Gefühl, in Deutschland „nie weiß genug“ zu sein.

Dass ihre Texte eine besondere Kraft entfalten, liegt auch an den persönlichen Bezügen zu ihren Texten. Im anschließenden Gespräch erzählte İrem von ihren eigenen Erfahrungen: Geboren in Osnabrück und später mit ihrer Familie nach Nordrhein-Westfalen gezogen, habe sie schon als Kind gelernt, immer „drei Schritte weiter sein zu müssen als alle anderen“, um nicht negativ aufzufallen: in der Schule, im Bus, auf dem Wohnungsmarkt, selbst später an der Uni, wo sie Architektur studierte.

Deutschland, warum magst du mich nicht? Ich bin hier auf die Welt gekommen, ich kenne nur dich.

Besonders still wurde es im Foyer, als sie in einer ihrer Performances die Namen von Menschen nannte, die in Deutschland zuletzt Todesopfer rechter und rassistischer Gewalt wurden: etwa Oury Jalloh, der 2005 in Dessau in seiner Zelle verbrannte, Arkan Hussein Khalaf, der 2020 in Celle erstochen wurde, sowie die neun Menschen, die bei dem rechtsterroristischen Anschlag von Hanau ermordet wurden: Said Nesar Hashemi, Hamza Kenan Kurtović, Ferhat Unvar, Sedat Gürbüz, Fatih Saraçoğlu, Gökhan Gültekin, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz und Kaloyan Velkov.

Möchte ich auswandern, denke ich mir, oder muss ich das irgendwann?

In diesem Moment wurde einmal mehr deutlich, dass die von İrem angesprochenen Fragen nach Zugehörigkeit, Ausgrenzung und gesellschaftlicher Verantwortung keineswegs abstrakte Themen sind, sondern reale Konsequenzen haben können.

Im anschließenden Gespräch mit Anna Eschbaum von der Betroffenenberatung Niedersachsen hatten die Besucher*innen Gelegenheit, mehr über die Arbeit der Künstlerin zu erfahren und auch eigene Erfahrungen zu teilen. Daraus entwickelte sich ein offener und berührender Dialog, der zeigte, wie wichtig Räume für Begegnung, Austausch und Solidarität sind.

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